alte Geschichten... Wode/Wotan

Der Wode


Den Wode haben viele Leuten in den "Zwölften" ziehen sehen.
Er reitet einen grossen Schimmel. Ein Jäger zu Fuss und Gierig und Gefrässig, seine beiden wilden Wölfe, folgen ihm.
Wo er durchzieht, da stürzen Zäune krachend zusammen, und der Weg ebnet sich vor ihm; gegen Morgen aber richten sich die Gehege wieder auf. Manche Leute behaupten, sein Pferd habe nur drei Beine und andere sagen, es habe 8 Beine.
Er reitet stets die gleichen Wege an den Türen der Häuser vorbei, und zwar so schnell, dass seine Wölfe ihm nicht immer folgen können. Schon manches Mal ist einer von ihnen liegengeblieben.

So fand man einmal den einen von Wodes Wölfen in einem Dorf bei Wulfsdorf, und den anderen in Fuhlenhagen auf dem Feuerherde, wo er sich hingestreckt hatte, ständig heulend und schnaufend, bis am folgenden Weihnachtsabend der Wode sie wieder mitnahm.

In dieser Nacht darf man keine Wäsche im Freien hängen lassen. Die Wölfe würden sie zerreissen. Auch soll man nicht backen. Alle Bewohner müssen still im Hause bleiben. Lässt man die Tür offen, so zieht der Wode hindurch, und seine Wölfe verzehren alles, was sich im Hause Geniessbares vorfindet.

Einst war der Wode auch in das Haus eines armen Bauern geraten, und die wölfe hatten alles aufgezehrt. Der Arme jammerte und fragte den Wode, wer ihm den Schaden ersetze, den die Wölfe angerichtet hatten.
Wode antwortete, er werde alles bezahlen.
Bald darauf erschien er mit einem toten Wolfe und befahl dem Bauern, den Kadaver in den Schornstein zu werfen. Das tat der Bauer.
Da platzte der Balg, und lauter blanke Goldstücke fielen heraus.

Wenn der Wode angebraust kommt, müssen die Unterirdischen flüchten, denn er will sie von der Erde vertilgen.
Ein alter Bauer brach einmal spät von Beidendorf auf und wollte noch nach Krummesse gehen. Plötzlich bemerkte er, wie die Unterirdischen dahergelaufen kamen. Sie waren aber gar nicht ängstlich und riefen ganz munter: "Heute kann er uns nichts anhaben, er soll uns nur in Ruhe lassen; er hat sich heute morgen noch nicht gewaschen."
Als der Bauer ein Stück weiter gewandert war, begegnete ihm der Wode und fragte ihn, was die Unterirdischen gerufen hätten. Der Bauer erwiderte, sie hätten gesagt, er habe sich heute früh nicht gewaschen und könne ihnen daher nichts Übles antun.

Da hielt der Wode sein Pferd an, stieg ab und wusch sich. Dann sprang er wieder auf sein Ross und jagte den Unterirdischen nach. Nicht lange danach sah der Bauer den Wode zurückkommen; er hatte die Unterirdischen an ihren langen Haaren zusammengebunden und an jede Seite seine Schimmels mehrere von ihnen hängen.
So unerbittlich verfolgte der Wode die Unterirdischen.
Heute sind sie alle verschwunden.
Deshalb jagt der Wode nun nicht mehr auf der Erde, sondern hat Zeit für die Jagd in den Lüften.
11.11.08 12:51


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